Droste-Literaturtage 2012 17. – 20. Mai 2012 mit Droste-Preisverleihung | Meersburg


Donnerstag 17. Mai (Christi Himmelfahrt), 19 Uhr, Fürstenhäusle Meersburg Lesung der Förderpreisträgerin Ulrike Almut Sandig Laudatio: Dr. Walter Rügert, Fachgruppe Literatur des IBC
und Jury-Mitglied

Ulrike Almut Sandig

Ulrike Almut Sandig wurde 1979 in Großenhain (Sachsen) geboren. 2005 schloss sie ein Magister-studium in Religionswissenschaft und moderner Indologie und 2010 ein Diplomstudium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig ab. Sie veröffentlichte Gedichte, Hörspiele und Erzählungen. Von 2007 bis 2009 war sie Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift EDIT. Ulrike Almut Sandig lebt in Berlin. "Sandigs Gedichte setzen uns in Bewegung. Auf einer fast im alltäglichen Satzmuster gebauten Fläche lassen sie uns hineingleiten in eine Welt der allmählichen Verrückung, des Halbtraums, der Fiktion" (Ulrike Draesner, Droste-Preisträgerin 2006). Ulrike Almut Sandig liest aus ihren Gedichtbänden "Dickicht" und "Flamingos".
Da nur begrenzt Plätze zur Verfügung stehen, wird um Anmeldung gebeten unter Meersburg Tourismus
Tel. 07532-440400, Eintritt frei


Freitag 18. Mai, 15 Uhr Literacafé "wahlverwandt-sprachgewandt" Harriet Straub & Fritz Mauthner, Biographisches und Literarisches

Lassen Sie sich in die Welt der Autorin Harriet Straub und des Sprachphilosophen Fritz Mauthner führen, die Kontakte zu bedeutenden Literaten ihrer Zeit pflegten und vor 100 Jahren im Glaserhäusle in Meersburg ihr gemeinsames Domizil fanden. Wir werden im Stadt-museum beginnen, wo Sie beim Betrachten von Fotografien und persönlichen Gegenständen Biographisches und Literarisches hören, und werden im Café Dreierlei enden.

Referentin: Evmarie Becker. Dauer: ca. 2 Stunden, Treffpunkt: Gästeinformation, Kirchstraße 4,
€ 7,-/mit Bürger- oder Gästekarte € 5,50 inklusive Getränk im Café.


Freitag 18. Mai, 19 Uhr, Fürstenhäusle Meersburg "Wenn ich träume..." Ein Liederabend der besonderen Art Interpretiert von Isabell Marquardt (Gesang) und Elli Freundorfner (Klavier)

Die Mezzosopranistin Isabell Marquardt, am Bodensee geboren, besuchte zunächst die Stage School of Music, Dance und Drama in Hamburg, studierte dann bei KS. Mihai Zamfir an der Hochschule für Künste Bremen. Meisterkurse führten sie zu David Jones (New York), Peter Berne (Österreich), Krisztina Laki (Budapest) und Pia-Gunn Anckar (Finnland). Im Sommer 2010 und 2011 stand Isabell Marquardt im Museumsgarten Überlingen mit der Titelpartie "Bastienne" in der Mozart-Oper "Bastien & Bastienne" auf der Bühne.

Elli Freundorfner, in Salem geboren, fühlte sich schon früh zum Klavierspiel hingezogen. Sie studierte zunächst Klavier an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen; ein Auslandsemester an der Musikhochschule in Örebo /Schweden schloß sich an, Teilnahmen an Meisterkursen bekannter Pianisten (z. B. bei Kemal Gekic aus Kroatien, Livia Ref) folgten. Mit besonderer Vorliebe nimmt sich Elli Freundorfner auch der Interpretation unbekannterer Werke an. So entstand das aktuelle Programm mit der Sopranistin Isabell Marquardt.

Ein Liederabend mit Werken von Franz Schubert, Robert Schumann, Richard Strauss und Annette von Droste-Hülshoff. Da nur begrenzt Plätze zur Verfügung stehen, wird um Anmeldung gebeten unter Fürstenhäusle Meersburg, Tel. 07532 6088, Eintritt: € 10,-


Samstag 19. Mai, 13 Uhr "Auf den Spuren der Droste", Kostümführung durch Meersburg mit Besichtigung des Fürstenhäusles

Mit der Leiterin des Fürstenhäusles, Anna Wrzesinsky, geht es auf den Spuren der Droste durch Meersburg. Gedichte und Texte der Dichterin sind dort zu hören, wo sie entstanden sind, und man erlebt Orte, über die sie schreibt. Wo war das "Museum", in dem die Droste im "Morgenblatt" die Fortsetzung der "Judenbuche" verfolgte? Laufend ergeben sich überraschende Einblicke in das Leben der Dichterin in Meersburg und in den Meersburger Alltag vor 150 Jahren.

Dauer: ca. 2 Stunden, Treffpunkt: Gästeinformation, Kirchstraße 4,
€ 8,-/ mit Bürger- oder Gästekarte € 6,50


Samstag 19. Mai, 15 Uhr, Burg Meersburg, Renaissancesaal Lesung aus den Werken der Preisträgerinnen

Helga M. Novak und Ulrike Almut Sandig im Gespräch mit dem Verleger Klaus Schöffling,Frankfurt Die Jury ist sich einig, dass Helga M. Novak zu den großen und deutschsprachigen Schriftstellerinnen gehört. Sie kann auf ein umfangreiches, anerkanntes und engagiertes Werk zurückblicken, nimmt allerdings innerhalb der Gegenwartsliteratur - als "Grenzgängerin" - eine gewisse Außenseiterstellung ein.

In Ulrike Almut Sandig sieht die Jury eine der interessantesten und kreativsten Stimmen der jungen deutschsprachigen Literatur. Vor allem ihre Gedichtbände (Zunder, 2005; Streumen, 2007; Dickicht, 2011) beeindrucken durch ihren Anspielungsreichtum, ihren sicheren Sprachrhythmus und die gekonnte Vermischung von Surrealem und Möglichem.
Eintritt frei


Sonntag 20. Mai, 11 Uhr, Neues Schloss, Spiegelsaal Festakt mit Verleihung des Droste-Preises an Helga M. Novak und des Förderpreises an Ulrike Almut Sandig

Laudatio: Prof. Dr. Winfried Woesler, Universität Osnabrück und Jury-Mitglied

Helga M. Novak Helga M. Novak ist zweifellos eine der bedeutendsten deutsch-sprachigen Schriftstellerinnen. Mit ihrer politischen Lyrik, den Liebesgedichten und den Naturgedichten hat sie sich in den Grundbestand der deutschsprachigen Lyrik eingeschrieben.

Ulrike Almut Sandig Ulrike Almut Sandig zählt zu den vielseitigsten Stimmen der jungen deutschsprachigen Literatur. Ihr bisheriges Schaffen ist geprägt von einer Sprachlust, die auf scheinbar spielerische wie kunstvolle Weise den Lesern, zwischen den Zeilen, neue literarische Horizonte öffnet.

Eintritt frei

Bilder © Schöffling & Co


So 20. Mai, 20 Uhr, Neues Schloss, Spiegelsaal Internationales Schlosskonzert im Rahmen des Bodenseefestivals:

Julian Steckel Violoncello | Lauma Skride Klavier

Julian Steckel, 1982 geboren, studierte bei Ulrich Voss und Gustav Rivinius in Saarbrücken, bei Boris Pergamenschikow und Antje Weithaas in Berlin sowie bei Heinrich Schiff. 2010 gewann er den 1. Preis beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb in München. Seit dem Sommersemester 2011 unterrichtet er als Professor für Violoncello an der Hochschule für Musik und Theater Rostock.

Lauma Skride, ebenfalls 1982 geboren, begann bereits im Alter von fünf Jahren Klavier zu spielen und wurde wenig später Schülerin von Anita Paze an der Musikhochschule in Riga. Abschließend studierte sie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Für ihr Spiel erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen.Werke von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Claude Debussy, Johannes Brahms.

€ 15,-/13,- Vorverkauf; € 18,-/16,- Abendkasse, Vorverkauf bei Meersburg Tourismus, Kirchstraße 4, Tel. 07532 440400 oder unter www.reservix.de

------------------------------------------------------ Eine Veranstaltungsreihe des Internationalen Bodensee-Clubs und der Stadt Meersburg, die jährlich im Mai zu Ehren der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff stattfindet. Weitere Informationen: Kulturamt Meersburg Tel. +49 7532 440261 und im Internet: www.meersburg.de


Droste-Literaturtage 2011 19. – 21. Mai 2011 | Meersburg


Ausnahmsweise ohne die traditionelle Eröffnung im Fürstenhäusle orientieret sich ein Teil der Veranstaltungsthemen an der Droste und deren Preisträgerinnen.

In diesem Jahr steht die Namensgeberin der Literaturtage im Mittelpunkt des Vortrags von Christine Freudig, da die Dichterin auch heute noch berührt und fasziniert. Eine neue Sichtweise auf die Gedichte der Droste-Preisträgerin Nelly Sachs vermitteln Martina Roth und Johannes Cohen in ihrem Bildershow- und Rezitationsabend "Herzkeime". Mit der Verbindung des bewegten Bildes, Musik und Rezitation sind die Werke der Jüdinnen Sachs und Meerbaum-Eisinger neu zu erfahren. Schluss- und Höhepunkt in diesem Jahr ist die Lesung zweier Autorinnen am Samstagnachmittag. Dr. Barbara Bronnen und Lisa-Marie Dickreiter setzen sich in unterschiedlicher Weise mit dem Tod auseinander - nachwievor ein Tabuthema in der heutigen Gesellschaft.


Do 19. Mai 2011, 20 Uhr, Klosterkeller

Herzkeime

"Herzkeime" Gedichte von Nelly Sachs und Vertonung von Selma Meersbaum-Eisinger
Gesang und Rezitation: Martina Roth
Bewegtbild, Komposition und Gitarre: Johannes Conen

SELMA MEERBAUM-EISINGER und NELLY SACHS verbindet nicht nur ihre jüdische Herkunft, sondern bei beiden ist es die unerfüllte Liebe zu einem Mann, zu einem sehr frühen Zeitpunkt in ihrem Leben. Selma Meerbaum-Eisinger wurde nur 18 Jahre alt und Nelly Sachs war 17 als sie an dieser unerfüllten Liebe beinahe zerbrach und die fortan zur Quelle ihres dichterischen Werkes wurde. Hilde Domin sagte:
Selma Meerbaum-Eisingers Begabung steht sicher auf einer Stufe mit dem jungen Hofmannsthal.
"Es ist eine Lyrik, die man weinend vor Aufregung liest: So rein, so schön, so hell und so bedroht."
M. Enzensberger über die Gedichte von Nelly Sachs: "Wir haben es hier mit Rätseln zu tun, die in ihrer Lösung nicht aufgehen, sondern einen Rest behalten- und auf diesen Rest kommt es an".
MARTINA ROTH ist Schauspielerin und arbeitete an den verschiedensten deutschen Bühnen, u.a. Thalia -Theater Hamburg, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Nationaltheater Mannheim, Badisches Staatstheater Karlsruhe.
JOHANNES CONEN ist Szenograf, Regisseur, Licht- und Videogestalter und hat eine Vielzahl von Schauspiel- und Musiktheaterproduktionen an in- und ausländischen Bühnen visualisiert, u.a. Komische Oper Berlin, Oper Leipzig, Nationaltheater Mannheim, Wiener Staatsoper u. Salzburger Festspiele.

"Johannes Conen hat sehr genau auf die Wörter, die Pausen, die Sätze, ihren Rhythmus gehorcht und sie weniger in Musik versetzt als mit Musik umgeben, mit zarten, schwingenden, spröde-schönen Melodien. Schwer, nicht Sympathie zu empfinden für die junge Dichterin, ihre Verse, für die Musik...." (Die Zeit)

Eintritt: 10,- ¤, ermäßigt 8.- ¤


Fr 20. Mai 2011, 19 Uhr, Klosterkeller

Annette von Droste-Hülshoff - Eine ungewöhnliche Frau ihrer Zeit
Zu Leben und Werk der Dichterin von Christine Freudig19. Mai 2010

"Mir gab die Natur ein kühnes Herz, ich senke nicht so schnell den Blick", schrieb die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1798-1848). In Meersburg verfällt sie in einen Schaffensrausch, ihre Dichtung erreicht eine hohe Ausdruckskraft; sie wird humorvoll und einzigartig. Beide, die Droste und ihre Dichtung passen in kein Stilkorsett, sie scheinen ihrer Zeit voraus zu sein.

Dieses ungewöhnliche Leben einer Frau in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die am Bodensee den strengen Vorschriften der Familie entfliehen konnte, und ihr vielschichtiges literarisches Werken machen die Droste auch heute noch interessant und aktuell. Christine Freudig versteht es, das Werk der berühmtesten Bewohnerin, die keine Meersburgerin war, interessant, lebhaft und anschaulich darzustellen. Neben Fakten über das Leben ergänzt Freudig ihre Vorträge mit freien, mitreisenden Rezitationen "der Königin der deutschen Dichterinnen", wie auf dem Gedenkbüste vor der Burg zu lesen ist.

Christine Freudig

Christine Freudig wurde in Berlin geboren. Sie studierte in Berlin und Freiburg Deutsch, Geschichte sowie Philosophie und nahm Theaterunterricht. Nach dem Staatsexamen in Göttingen war sie Realschullehrerin in Weingarten. Als Mitglied des Internationalen Bodensee Clubs (IBC), Abt .Literatur und durch eine engen Freundschaft zu dem Dichter Josef W. Janker schreibt sie derzeit über dessen Tätigkeit in Ravensburg.

"Christine Freudig hat uns Zuhörer mit ihrem lebendigen und mit vielen frei rezitierten Gedichten geschmückten Vortrag wieder einmal in ihren Bann gezogen, begeistert und bereichert."
Clubzeitung von Soroptimist International Deutsche Sektion)

Eintritt 5,- ¤, ermäßigt 3 ¤


Samstag 21. Mai 2011, 15 Uhr, Altes Schloss, Renaissancesaal

Lesung von Lisa-Marie Dickreiter und Barbara Bronnen
Moderiert von Dr. Franz Schwarzbauer

"Mit sieben Jahren beschloss ich, meine kleine Schwester für immer loszuwerden." Mit diesem Satz beginnt der Roman "Vom Atmen unter Wasser" (Berlin-Verlag 2010). Was so scheinbar humorvoll beginnt, markiert gleich das Grundthema des ganzen Buchs: Es geht um die Dissonanzen, um die Spannungen und Abgründe, die sich hinter der Fassade der heilen bundesdeutschen Kleinfamilie
- Vater, Mutter, Tochter, Sohn - verbergen. Denn zwölf Jahre später ist die Schwester ermordet worden. Aber die Autorin interessiert sich nicht für die Tat, sondern wie die Trauer zur Obsession wird; wie die Restfamilie damit umgeht, wie sie daran zerbricht. Mit dem Suizidversuch der Mutter setzt das zweite Kapitel und damit die Handlung des Romans ein, der Sohn, der inzwischen Medizin studiert, kehrt ins elterliche Haus zurück, der Vater, Sozialarbeiter von Beruf, hat andere Fluchten gefunden, Sprachlosigkeit breitet sich zwischen ihnen aus. Lisa-Marie Dickreiter, die an der Filmakademie in Ludwigsburg Drehbuch studiert hatte, recherchierte sehr intensiv:
"In den Gesprächen mit betroffenen Familien begegnete mir ein Aspekt, der mich nicht mehr losließ: die egoistische, aggressive Seite der Trauer. Das war für mich der Schlüssel zur Geschichte und zu den Figuren."

Dickreiter

Lisa-Marie Dickreiter, die in Berlin lebt, ist mit dem Roman
"Vom Atmen unter Wasser" ein "außerordentliches Debüt" (Die Zeit) geglückt, und die FAZ urteilte gar: "Wer aus zweiter Hand erfahren will,
was Trauer ist, der lese diesen in jeder Hinsicht meisterhaften Roman."

 

 

 

Bronnen

Nicht minder aktuell ist das Thema des Romans "Liebe bis in den Tod"
Arche-Verlag 2008), aus dem Barbara Bronnen liest. Sein Thema: die Sterbehilfe. Der Ehemann tötete seine Frau - auf deren Verlangen, die Osteoporose hatte nicht nur ihren Rücken, sondern jede Lebensfreude zerfressen. Die beiderseitige Vereinbarung lautete allerdings, gemeinsam in den Tod zu gehen. Dazu fehlte dem Mann dann der Mut, also wurde er angeklagt: Tötung auf Verlangen oder Todschlag? Dem Richter, der selber kurz vor der Pensionierung steht, geht es dann weniger darum, zu urteilen als vielmehr die Tat und ihre Beweggründe zu verstehen. Indem sie den Fall im Wechsel aus der Perspektive des Ehemanns und des Richters darstellt, gelingt es Barbara Bronnen, sich dem Tabuthema Sterbehilfe ohne falsche Emotionalität, gleichsam nüchtern zu nähern. Barbara Bronnen, die Germanistik studierte und über den österreichischen Schriftsteller Herzmanovsky-Orlando promovierte, lebt seit langem in München. Ihr vielgestaltiges Werk umfasst Sachbücher ebenso wie Biographien und Romane. Dieser, ihr jüngster sei ihr gewichtigster, schrieb Walter Hinck in der FAZ: "Literatur sei 'ein Medium zur Erweiterung und Vertiefung unserer Wahrnehmung des Lebens', sagt Dieter Wellershoff. Vor solcher Erwartung besteht dieser Roman."

Eintritt frei